Alpakas als Investition

Kann man von der Alpakazucht leben?

Die Wirtschaftlichkeit von Alpakas ist ein häufiges Thema bei Neueinsteigern und in unseren Einführungskursen. Verständlich, denn die Vorstellung mit und auch von den Alpakas leben zu können, ohne sie jedoch schlachten zu müssen ist für viele sehr verlockend.

 

Eine pauschale Antwort „ja, man kann von der Alpakazucht leben“ oder „nein, man kann nicht davon leben“ kann jedoch niemand geben! Denn es kommt immer sehr auf die Situation des Einzelnen an und hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Zu berücksichtigen ist dabei in jedem Fall folgendes:

                        

Voraussetzungen:

1. Hofsituation: Ist ein Hof, Weideflächen, Unterstände und Zäune schon vorhanden? Muss all das noch errichtet, gepachtet oder gekauft werden? Dann ist die Anfangsinvestition natürlich um einiges höher.

2. Alpakas: Mit welchen Tieren wird gestartet? Sind die Alpakas von hoher Qualität und wird nur mit Tophengsten gezüchtet? Dann geht die Zucht natürlich schneller und die Nachzucht ist üblicherweise von besserer Qualität – und kann zu höheren Preisen verkauft werden. 

3. Futterangebot: muss Heu zugekauft werden oder kann es von den Weideflächen geerntet werden?

4. Maschinen und Geräte. Um optimal und kostengünstig zu arbeiten sind ggf. diverse Maschinen (Traktor, Heuwender etc.) notwendig. Sind sie vorhanden?

 

Persönliche Eignung:

1. Management: Wohl der wichtigsten Punkt! Manch einem schwirren tausend Begriffe wie Umsatz, Rendite, Gewinne im Kopf herum. Klarmachen muss man sich aber: es geht hier um Tiere, sie müssen jeden Tag gründlich versorgt und beobachtet werden – 365 Tage im Jahr! Denn nur gesunde und gut gehaltene Tiere haben auch entsprechende Leistungen, d.h. die sind ihr Leben lang zuchtfähig und haben gesunde und ebenfalls zuchttaugliche Nachkommen.

2. Marketing: Wie wird die Zucht beworben? Sind Marketingkenntnisse vorhanden? Was wird dafür getan, dass die Zucht bekannt wird?

3. Vorbildung und Engagement: Hat der Neubesitzer schon Erfahrung in der Tierzucht? Hat man das „richtige Händchen“? Ist die Bereitschaft da, auch einmal Opfer für die Tiere zu bringen (Verzicht auf Urlaub, Freizeit etc.)?

 

Es gibt sicher noch viele andere Faktoren die ebenfalls bedacht werden müssen. Daran sieht man schon, dass es nicht so einfach ist eine pauschale Antwort zu geben.

 

Folgende „Milchmädchenrechnung“ kann theoretisch von jedem erstellt werden und ist nicht verbindlich, sie dient eher dem Denkanstoß.

 

Beispiel:

Eine 2-jährige tragende Alpakastute wird für 6.000 € erworben und lebt insgesamt 22 Jahre.

 

In 20 Jahren hat sie eine Reproduktionsrate von 80%, bekommt also 16 Fohlen (8 weibliche, 8 männliche). Die männlichen Nachkommen werden für je 1.500 € verkauft, die Weiblichen für je 5.000 €. Das ergibt eine Summe von 12.000 € (männliche Nachkommen) + 40.000 € (weibliche Nachkommen) = 52.000 € Umsatz durch die Nachzucht.

 

Die o.a. Verkaufspreise sind eher am unteren Level angesetzt und können sich je nach Qualität der Nachkommen enorm ändern. Hat die Alpakastute beispielsweise einen erstklassigen Deckhengst geboren, kann dieser für eine Summe ab 8.000 € bis open end verkauft werden. Oder man behält den Hengst selbst und sorgt für Umsatz durch Fremdbedeckungen bzw. durch eigene Nachzucht mit dem Hengst.

 

Auch weibliche Nachkommen können für weitaus höhere Preise verkauft werden.

 

In dieser Berechnung sind allerdings auch noch keine Kosten berücksichtigt! Diese sind in der Alpakahaltung aber eher gering.

 

Das ist jedoch noch nicht der gesamte Umsatz, den wir mit unserer Alpakastute erwirtschaften können. Auch ihre Faser wird zu hochwertigen Endprodukten verarbeitet. So gibt die Alpakastute jedes Jahr 2 kg Rohwolle der 1. Wahl, die zu Strickgarn und dann zu Pullovern verarbeitet wird. Ein Pullover benötigt ca. 500 gr. Wolle.

 

Daraus ergibt sich folgende Berechnung:

40 kg Wolle (20 Jahre x 2 kg Wolle/ Jahr) / 0,5 (500 gr./ Pullover) = 80 Pullover können aus der Wolle unserer Stute hergestellt werden.

Verkaufspreis pro Pullover: 190 €

-> 15.200 €

 

Auch hier: Die Herstellungskosten und weitere Aufwendungen wurden nicht berücksichtigt und wir gehen davon aus, dass die Stute ihr Leben lang Wolle produziert, die sich als Strickgarn eignet. Das ist nur bei wenigen Alpakas, wie unserem Deckhengst MLA Peruvian David und unserer CL09 Tosca der Fall. Ist die Wolle nicht mehr für Garn geeignet kann sie aber für eine Vielzahl anderer schöner Produkte verwendet und ebenfalls verkauft werden.

 

Insgesamt hätte unserer Alpakastute uns im Laufe ihres Lebens so einen Umsatz von 67.200 € eingebracht. Und das bei einem Kapitaleinsatz von nur 6.000 €. Welche andere Investition schafft das?

 

Natürlich ist diese Berechnung nicht verbindlich und gibt nur einen ganz groben Überblick. Nichtsdestotrotz kann man daraus schon ableiten, dass sich die Alpakazucht sehr wohl lohnen kann.

Denn die Preise für gute Zuchttiere sind in den letzten 20 Jahren, seitdem es Alpakas in Deutschland gibt, stabil geblieben. Für sehr gute Zuchttiere eher noch gestiegen. Die Aussichten sind gut, die Alpakazucht ist in Deutschland noch im Anfangsstadium. Denn auch die Faser kann mittlerweile auch bei uns verarbeitet werden.

Die Menschen sehnen sich nach einem entschleunigten Leben, das sie gemeinsam mit Tieren gestalten, an denen sie sich erfreuen können. Wenn dabei noch der ein oder andere Euro zu erwirtschaften ist – umso besser J!

 

Vor dem Start unserer Alpakazucht haben wir einen konkreten und umfangreichen Businessplan erstellt. Dieser gab uns Sicherheit und dient auch jetzt noch dazu unsere Ziele im Blick zu halten und somit besser umzusetzen. Wir helfen Neueinsteigern gerne dabei, ihre Zucht ebenfalls zu planen und geben Tipps und Tricks. Auf Wunsch unterstützen und beraten wir Sie gerne dabei Ihren eigenen Businessplan aufzustellen und Ihre Zucht optimal vorzubereiten. Sprechen Sie uns dazu an, wir machen Ihnen gerne ein unverbindliches Angebot.

 

 

Nur zum Verständnis: dieser Beitrag soll kein falsches Licht auf uns werfen. Wir lieben unsere Tiere und sie gehören bei uns fest zur Familie! Ein Großteil unserer Gespräche dreht sich darum, was die Tiere am Tag so gemacht oder angestellt haben ;-), ob sie gesund und zufrieden sind. Alle Alpakas haben einen Namen und wir kennen jedes von ihnen in- und auswendig. Unsere Alpakas sind zutraulich und leben artgerecht im Herdenverband. Alle haben einen Stall um sich bei schlechtem Wetter oder großer Hitze schützen zu können. Wir glauben, dass diese Internetseite unseren Hof und unseren Umgang mit den Alpakas ganz gut wiederspiegelt.

Jedoch sind wir auch der Meinung, dass es absolut legitim ist mit den Tieren Geld zu verdienen. Zumal sie eben nicht der Schlachtung dienen, sondern aus ihrer genialen Wolle wunderschöne Produkte hergestellt werden können. Unsere Alpakas verkaufen wir übrigens nur, wenn wir vollständig davon überzeugt sind, dass sie ein gutes Leben bei ihren neuen Besitzern haben werden. Ansonsten verzichten wir gerne auf ein „Geschäft“.